4 kranke Mädels und ein überheblicher Vater

Es kam der Herbst. Typisches Oktober- und Novemberwetter war angesagt. Jeder schniefte und keuchte etwas und hatte mit den Vorboten einer Erkältung oder eines grippalen Infektes zu tun. Außer Antje. Sie übersprang die Vorboten und ergab sich den Krankheitserregern.

Ich stand da. Allein. Sagte ihr immer wieder sie solle im Bett bleiben. Aber Mütter sind echt hartnäckig. Sie wollen auch nicht belehrt werden. Schon gar nicht vom Mann. Aber feinfühlig wie wir Männer sind sagen wir dann: „Ich schaff das schon. Alles gut. Ich brauche dich nicht.“

Zwillinge Drillinge Mehrlinge Mehrlingswahnsinn Logo 1

Natürlich brauche ich sie. War ja auch nicht so gemeint wie gesagt. Mach dir keine Sorgen, sollte es heißen. Ich krieg das schon hin, wollte ich damit ausdrücken. Verstanden wurde es leider völlig anders. Der Genesungsprozess fing also nicht besonders gut an.

Aber was tun? Allein mit Drillingen? Wie lange kann so ein Infekt dauern? Einen Vormittag? Vielleicht noch einen Nachmittag? Ich lass sie besser auch nachts schlafen, dass sie sich schnell erholt. Ich brauche sie ja doch. Nicht nur für die Drillinge.

Auch für mein Seelenheil. Nun ging es ans Überlebenstraining. Sie tranken damals noch so langsam, dass es kaum Sinn ergab alles allein zu stemmen. Ich musste mir Hilfe organisieren. Handy raus – WhatsApp Gruppen checken – S.O.S. absetzen.

Hab die Fütterungszeiten durchgegeben und gefragt wer Bock hat auf ein bisschen Großfamilienfeeling mit 3 mal 3 Kilo Gehopse. Nachts, das war klar, würde ich allein auf das Spielfeld müssen.

Mein Plan war es tagsüber einfach Kräfte zu mobilisieren um nachts zu wahrer Größe aufzutrumpfen. So war der Plan … es fanden sich auch recht schnell viele verschiedene Leute die dem Ruf des verzweifelten Vaters („Ich schaff das schon.“) folgten.

Im Grunde freute sie sich über die Genesungswünsche - nur ihr Gesicht wusste davon nichts.

Flaschenzeit Papa

Gott sei Dank haben wir eine tolle Familie und viele gute Freunde für die es selbstverständlich war ein Paar Minuten tristen grauen Alltag gegen fröhlich buntes Babytreiben zu tauschen. So konnte ich innerhalb weniger Stunden alle Mahlzeiten des Tages und des kommenden Tages (falls alle Stricke reißen sollten) mit einem zweiten Mann oder Frau besetzen.

Und zu jeder Mahlzeit kam ein anderer Mensch. Ein Nachbar. Eine Tante. Ein Freund. Eine Freundin. Die Schwiegermutti und Neu-Oma und die routinierte Oma von 11 Enkeln. Aber auch für sie sind es die ersten Drillinge. Meine Zwillinge hat sie vor vielen Monden aber auch schon unterstützt.

Und so entstanden schöne abwechslungsreiche Mahlzeiten mit immer wieder wechselnden netten Menschen. Zur Freude der Kranken, die sich hundeelend fühlte und eigentlich ihre Kinder allein versorgen wollte.

Besonders hocherfreut war sie wenn alle 4 Stunden einer der netten Menschen auch ein Blick ins Lazarett warf und immer wieder sagte, wie toll das der Papa mache. Im Grunde freute sie sich schon darüber – nur ihr Gesicht wusste davon nichts.

Wenn ich sie zwischendurch mit Tee und Nutella (Nüsse sind gesund!) versorgte, ihr einen Obstteller brachte oder ihre ein Paar Gummitiere servierte, kam oft mehr Frust als Dankbarkeit aus ihrem Krankenbett. So hatte sie sich das eben nicht vorgestellt.

Endlich alle zu Hause. Nur Termine. Kaum Zeit als Familie – jetzt das! Trotzdem blieb ich freundlich optimistisch und wollte auf keinen Fall den „Ich-brauch-dich-nicht-Fehler“ nochmal machen. Das hätte den Genesungsprozess nur unnötig hinausgezögert.

Der erste Tag verging und ich wusste, auf wen ich mich im Notfall verlassen konnte. Das beruhigt. Und so kam die Nacht, in der so keiner richtig Lust hatte mit mir aufzustehen. Trotz der lustigen Frage in der Gruppe „Na wenn ihr wirklich Lust habt, könnt ihr auch wahlweise um 23 Uhr oder 3 Uhr kommen.“

Wie Julius Cäsar einst in Rom, saß ich auf dem Porzellanthron und genoss den Rausch des Sieges.

Die Antworten waren Smileys mit einer Träne. Aber nicht die, die weinen. Die mit den Mundwinkeln nach oben. Lachend. Als hätte ich es nicht halbwegs ernst gemeint. Aber gut. Augen zu und durch. Ich ging gleich nach der Abendmahlzeit ins Bett um etwas Schlaf zu finden.

Es funktionierte wunderbar. Kurz vor elf Uhr ließ ich mich durch den Wecker wecken und weckte das erste Baby. Das Gierigste. Es sollte schnell seine Flasche leeren, dass ich im Notfall dann zwei danach gleichzeitig abfertigen konnte.

Die Babywippen standen dafür bereit und kannten meinen Notfallplan. Und es funktionierte tatsächlich. Gut vorbereitet kam ich ohne Geschrei durch die erste Mahlzeit der Nacht. Läuft. Ein bisschen stolz ist man schon. Und ich ertappte mich, wie ich etwas langsamer als sonst durch unseren schmalen Flur schritt. Es fehlte nur die Melodie von Vangelis „Conquest of Paradise“ so wie in einem großen Heldenepos.

Ich stolzierte fast, denn das war wirklich gute Arbeit. Konnte mir selbst auf die Schulter klopfen. Kennt ihr das, wenn man sich unbesiegbar fühlt? Dieses „Boah! Wie geil bist du eigentlich“-Gefühl. Wie Julius Cäsar einst in Rom, saß ich auf dem Porzellanthron und genoss den Rausch des Sieges.

Leider konnte ich nicht gleich wieder einschlafen, weil ich mich selbst so gefeiert hatte. Mit etwas Verzögerung fand ich in den Schlaf. Nicht lange, fing einer der Drillinge an zu rufen. Zu früh … ich irrte durch den Flur. Nuckel wurde wieder arretiert. Ab zurück ins Bett. Erneut meldete sich jemand.

Das Gefühl der Unbesiegbarkeit war schöner. Nun lief ich Spießruten. Die Mädels nahmen mir den Erfolg und ließen mich bald verzweifeln. Warum sind sie so unruhig? Was ist los? Allein mit meinen müden Gedanken versuchte ich zu verstehen, was sie mir sagen wollten.

Papa Drillinge

Die nächste Mahlzeit dauert fast 2 Stunden. Kurz vor fünf Uhr hatte ich alle abgefrühstückt und bemerkte, dass die Drillinge allesamt etwas röchelten und langsam dämmerte es dem müden Vater. Hochmut kommt eben vor dem Fall.

Auch sie wurden nun krank und zunehmend übellauniger. Vorbei die Zeiten der entspannten Beschäftigung und Schlafenzeiten zwischen den Trinkpausen. Nun musste ich mir was einfallen lassen.

Wenn ihr übrigens ein schnelles und vor allem ein genaues Fieberthermometer sucht, dann können wir Euch das Infrarot-Thermometer von Wohlman*  empfehlen. Wenn es nachts schnell gehen muss ist das Teil unschlagbar. Einfach an die Stirn halten oder ins Ohr und 1s später schon gibt es das Ergebnis. Mit roter Kontrollleuchte bei Fieber und Piepstönen. Zusätzlich kann man auch noch die Temperatur der Milch damit kontrollieren. Wirklich empfehlenswert!

Auch am zweiten Tag kamen wie verabredet nette Menschen und ließen uns nicht hängen. Ein besonders netter Mensch, nahm mir die Kinder und den Kinderwagen für zwei Stunden weg. Ich konnte kurz durchatmen und entspannen. Leider ging es Antje an Tag 2 noch nicht besser. Ich plante den folgenden Tag und fand wiederum 3 große Menschen die 3 kleinen Menschen helfen wollten.

Die Pause nutzte ich um den Haushalt auf Vordermann zu bringen, ein Paar Telefonanrufe zu machen und ein Paar Leuten im Amt zu beschäftigen (Dieses Mal Niemanden von der Krankenkasse wie im holprigen Start)

Leider erging es mir noch einen weiteren Tag und 2 Nächte so. Am vierten Tag erholte sich die Mutter und zeigte uns wieder ihr strahlendes Lächeln. An diesem Tag war ich nur noch Teilzeitbeschäftigter. Gesundheitlich ging es mir gut. Nur meine Augen wollten nicht mehr so richtig in die gleiche Richtung schauen. Müde ging ich für ein Paar Stündchen einem Date mit meinem Kissen nach.

Auch möchte ich mit diesem Artikel ein großes Dankeschön an alle aussprechen, die uns so oft mit allen möglichen Sachen helfen. Ihr seid einfach die Besten. Ohne Euch wäre diese Welt definitiv etwas ärmer. Wir lieben Euch!

Und allen Anderen möchte ich sagen, man kann mehr schaffen als man selbst glaubt! Aber bleibt demütig … =)

Zwillinge Drillinge Mehrlinge Mehrlingswahnsinn Logo 1

Hattet Ihr auch schon einmal das Gefühl unbesiegbar zu sein, nur um gleich wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden? Vielleicht war es Dir dann sogar unangenehm oder peinlich? Dann lass hören – ab damit in die Kommentare!

Wenn Euch dieser Artikel gefallen hat, würden wir uns sehr freuen, wenn Ihr ihn mit Euren Freunden teilt oder einfach ein Lesezeichen für den Mehrlingswahnsinn setzt, denn regelmäßig gibt es einen neuen Artikel!

Wenn ihr noch mehr aktuelle Fotos und Randgeschichten erfahren wollt, dann folgt uns doch auf Instagram oder Facebook.

4 Gedanken zu „4 kranke Mädels und ein überheblicher Vater“

  1. Zum Glück hat der liebe Gott es ja so eingerichtet, dass man seine Kinder in relativ jungen Jahren bekommt. Rückblickend weiß ich gar nicht, wie ich das alles geschafft habe. Zumal die gesellschaftliche Anerkennung bis heute eigentlich gegen Null geht. Soviel hat sich da leider nicht geändert.

    Antworten
    • Ja manchmal ist das schon hart. Aber wir schauen immer optimistisch in die Zukunft. Das versuchen wir auch durch den Witz in unseren Stories rüberzubringen. Selbst nehmen wir uns nicht allzu ernst. An Matthias merkt man es manchmal, dass er die Drillinge besser früher bekommen hätte. Ab 19 Uhr ist er meist schon todmüde =)

      Antworten

Schreibe einen Kommentar