Alles zur Elternzeit – Das Wie, Was, Wann und Wo


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1. Was ist Elternzeit?

Der Gesetzgeber hat dir eine Möglichkeit geschaffen um dich bei der Planung und Entstehung deiner Familie zu unterstützen. Das Bundesgesetz zur Elternzeit und zum Elterngeld traten am 1. Januar 2006 in Kraft und wurde letztmalig am 26. November 2019 geändert. Das Gesetz enthält unter anderem Bestimmungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die EZ ermöglicht es Dir eine Auszeit vom Beruf zu nehmen, um Dich um Deinen Nachwuchs zu kümmern. Dabei kannst Du in Teilzeit arbeiten gehen oder Dich ganz Deiner neuen Lebenssituation widmen.

2. Wer kann Elternzeit in Anspruch nehmen?

  • Eltern, Mutter und Vater
  • Väter, die die Vaterschaftsanerkennung beantragt haben (dieser Antrag muss noch nicht bewilligt sein!)
  • Adoptiveltern mit einem adoptierten Kind bzw. einem Kind in Adoptionspflege (Antrag muss ebenfalls noch nicht bewilligt sein!)
  • Pflegeeltern mit Pflegekind
  • Ehefrau oder Ehemann bzw. Partner oder Partnerin des eigenen leiblichen Kindes
  • Großeltern für Enkelkinder
  • Geschwister, Onkel und Tanten, wenn das Elternteil schwer krank ist oder verstorben sein sollte

Besitzt man selbst nicht das Sorgerecht, so benötigt man die Zustimmung des sorgeberechtigten Elternteils.

Ausgeschlossen von der EZ sind: Arbeitslose, Selbstständige, Hausfrauen, Studenten, Schüler und FSJ’ler sowie Geschäftsführer und Gesellschafter von Personen- oder Kapitalgesellschaften

3. Wie lange kann ich Elternzeit nehmen und wie effektiv aufteilen?

Pro Kind und Partner stehen Dir (Euch) insgesamt 36 Monate EZ zu. Diese 3 Jahre darfst du in 3 unterschiedliche Zeitblöcke und unter Euch aufteilen. Du musst sie also nicht am Stück beantragen.

Seit 2015 ist es erlaubt bis zu 24 Monate erst nach dem dritten Lebensjahr zu nehmen und sie spätestens mit der Vollendung des achten Lebensjahres zu beenden. 2 Jahre EZ könnten also auch später im Kindergarten- bzw. Schulalter „verbraucht“ werden.

Beispiel: Mama nimmt die ersten 12 Monate EZ. Ihr reicht diese Zeit und sie möchte zurück ins Berufsleben. Da bereits 12 Monate verbraucht sind, könnte die Mama einen Teil der übrigen 24 Monate zwischen dem 3. und 8. Lebensjahres des Kindes nehmen. Gleiches gilt natürlich für den Vater!

Es gilt lediglich darauf zu achten, dass Du bei Deinem Erstantrag mindestens 12 Monate angibst. Eine Verlängerung ist im Anschluss meist kein Problem, muss dem Arbeitgeber aber fristgerecht mitgeteilt werden. Aus dringenden betrieblichen Gründen könnte er es Dir jedoch theoretisch verwehren. Damit verfallen aber Deine restlichen 24 Monate nicht!

Wenn du zwischen deinem Erstantrag und deiner Verlängerung nicht arbeiten warst (Teilzeit während der EZ zählt dabei nicht!) dann zählt es rechtlich nicht als Verlängerung und kann dir nicht verwehrt werden!

4. Elternzeitanspruch bei Zwillingen Drillingen oder noch mehr Mehrlingen

Als Mehrlingselternteil, also wenn Du Zwillinge, Drillinge oder noch mehr Mehrlinge erwartest, hast du einen vielfältigen Anspruch auf EZ. Zwillinge 6 Jahre, Drillinge 9 Jahre und für jeden weiteren Mehrling erhöht sich die EZ um weitere 3 Jahre bzw. 36 Monate.

Bedenke aber: Elternzeit ist nicht Elterngeld! Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Elterngeld gibt es nur „einmal“ und es vervielfältigt sich leider nicht. Mehr zum Elterngeld erfährst du hier.

In unserem Fall mit Drillingen stehen mir und meiner Partnerin insgesamt 9 Jahre EZ zur Verfügung. 9 Jahre, die wir untereinander aufteilen können, da wir 3 mal 3 Jahre EZ zur Verfügung haben. Der Anfang war klar.

Erst einmal geht es nicht allein. Wenn ihr es finanziell stemmen könnt, empfehle ich Euch als Paar, so lang wie nur möglich Zeit mit euren Mehrlingen zu verbringen und zu Hause zu bleiben. Leider ist das in den meisten Fällen finanziell nicht möglich.

Beispiel für Aufteilung: Mama reicht für Zwilling 1 eine 12 monatige EZ ein, wohingegen der Vater für Zwilling 2 eine 12 monatige EZ einreicht, um die 12 Monaten pro Kind in den ersten drei Lebensjahren zu „verbrauchen“.

Nun könnten sie theoretisch die EZ tauschen. Mama nimmt für Zwilling 2 nun 12 Monate und der Papa für Zwilling 1. Sie können aber auch die verbleibenden 48 Monate (24 Monate für Zwilling 1 und 24 Monate für Zwilling 2) nach dem 3. Geburtstag ihrer Mehrlinge nehmen und untereinander aufteilen.

Bei Drillingen müsst ihr aufpassen, dass ihr auch für jeden Mehrling 12 Monate EZ in den ersten 24 Lebensmonaten nehmt um den Gesamtanspruch von 36 Monaten zu behalten. Verliert nicht den Überblick, wenn ihr die gesamte EZ nehmen wollt!

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5. Wo muss ich Elternzeit beantragen? Wie verlängern?

Deine EZ reichst Du in Schriftform mindestens 7 Wochen vor Beginn bei deinem Arbeitgeber ein. Eine Frist von 13 Wochen musst du einhalten, wenn du sie nach dem 3. Lebensjahr und vor Vollendung des 8. Lebensjahres deines Kindes nimmst.

Im Antrag teilst Du ihm Anfang und Ende Deiner EZ mit und wann Du beabsichtigst wieder ins Berufsleben einzusteigen. Bei der Elternzeitverlängerung musst du ebenfalls eine Frist von 13 Wochen einhalten. Berücksichtige das, wenn Du Dich doch entschließt noch mehr Zeit mit deinem Kind zu verbringen.

Bei Frühgeborenen, Pflege- und Adoptivkindern gibt es diese Fristen nicht. Hier sollte es keine Probleme bei einem kurzfristigen Antrag seitens des Arbeitgebers geben. Erwartest Du Zwillinge, Drillinge oder noch mehr Mehrlinge? Dann lies alles zum Thema Frühchen hier!

6. Was habe ich für Rechte in der Elternzeit?

6.1 Kündigungsschutz während der Elternzeit

Während der EZ genießt du einen besonderen Kündigungsschutz und der Arbeitgeber kann dich nur in Ausnahmefällen kündigen. Der Kündigungsschutz beginnt mit der Anmeldung der EZ bzw. frühestens eine Woche vor der Anmeldefrist. Also im Klartext:

  • 8 Wochen vor der EZ vor dem 3. Lebensjahr
  • 14 Wochen vor der EZ mit dem vollendeten 3. Lebensjahr

Der Kündigungsschutz gilt nicht zwischen den Blöcken (nur in den verschiedenen Elternzeitblöcken), wenn du die EZ aufteilst und zwischendurch normal arbeiten gehst!

6.2 Teilzeit während der Elternzeit

Während der EZ hast du das Recht auf Teilzeitarbeit. Minimal 15 Stunden und maximal 30 Stunden pro Woche (Stundenschnitt im Monat) in Teilzeitarbeit erlaubt dir der Gesetzgeber. Voraussetzung dafür ist:

  • Es gibt keine dringenden betriebliche Gründe dagegen, Bsp.: Dein Arbeitsplatz ist auch in Teilzeit möglich und keine reine 40 Stunden Stelle
  • Dein Betrieb hat mindestens 15 Festangestellte
  • Du arbeitest schon mindestens 6 Monate dort
  • Du möchtest mindestens 2 Monate in Teilzeit arbeiten

Mit Zwillingen, Drillingen oder noch mehr Mehrlingen beabsichtigst du vielleicht nur noch in Teilzeit arbeiten zu gehen. Verschenke also keine EZ, da sie dir unter den genannten Voraussetzungen ein Recht auf Teilzeit garantiert. Alle 36 Monate pro Kind nutzen, wenn möglich.



Arbeitest du bereits in Teilzeit, so ist es dir möglich, diese weiter zu reduzieren oder sie beizubehalten. Dazu sprichst du am besten mit deinem Vorgesetzten.

Den Antrag auf Teilzeit stellst du schriftlich bei deinem Arbeitgeber. Die zu wahrenden Fristen sind die Gleichen wie beim Antrag auf Elternzeit. Benenne im Antrag klar den Anfang und das Ende deiner Teilzeit, sowie deinen Stundenumfang und die Tage an denen zur Arbeit erscheinst. Eventuell mit Uhrzeiten. Diesen Antrag muss der Arbeitgeber dir schriftlich bestätigen.

Lehnt dein Arbeitgeber deinen Antrag auf Teilzeit nicht fristgerecht ab (Einschreiben gilt als Beweis!), dann gilt seine Zustimmung als erteilt.

Alle festgelegten bzw. vorgeschlagenen Arbeitszeiten und der Stundenumfang gelten als genehmigt.

6.3 Rückkehr aus der Elternzeit - Wiederkehr zum alten Stundenumfang und Arbeitsplatz

Nach deiner EZ kannst du ganz normal an deinen alten Arbeitsplatz zurückkehren. Aber dein Arbeitgeber bleibt dir natürlich weisungsberechtigt bzw. kann er sein Direktionsrecht in Anspruch nehmen.

Sofern er nicht gegen geltende Gesetze, deinen Arbeitsvertrag oder den Tarifvertrag verstößt, kann er deine Aufgaben, deinen Einsatzort und deine Arbeitszeit neu definieren und bestimmen. Aber auch hier muss der Arbeitgeber in deinem Interesse handeln! Du darfst nicht schlechter gestellt werden als vor deiner EZ.

6.4 Urlaubsanspruch während der Elternzeit

Während der EZ verringert sich dein Urlaubsanspruch für jeden vollen Monat um 1/12. Hast du beispielsweise einen Urlaubsanspruch von 24 Tagen pro Jahr, verringert sich dein Urlaub um 2 Tage pro Monat. Jedoch nur wenn du vom 1. bis zum letzten Tag des Monats in EZ zu Hause bist.

Beispiel: Bist du volle 2 Monate in EZ vom 5. Januar bis zum 4. März , wird dir nur ein zwölftel Urlaubsanspruch gekürzt, da du nur den kompletten Februar zu Hause warst.

Hast du noch alten Urlaub übrig, so wird er unabhängig von den Regelungen deines Arbeitgebers übernommen und verfällt nicht. Selbst wenn du noch ein weiteres Kind bekommst und im Anschluss ohne Pause erneut in EZ gehst, behältst du diesen Anspruch.

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Diese und weitere Fragen werden auch im Buch „Finanzplaner – junge Familien“* der Stiftung Warentest / Finanztest beantwortet. Unter anderem, erfährst du alles zum Elterngeld, ElterngeldPlus und wie du Geld richtig und effektiv für Kinder anlegst, wie es mit dem Eigenheim (Baukindergeld, Eigenheimzulage) klappen könnte und vieles mehr. Es ist leicht verständlich geschrieben und gibt viele praktische Beispiele.

6.5 Krankheit während der Elternzeit

Was passiert wenn du während deiner EZ erkrankst? – Nichts! Es hat keinen Einfluss auf den Beginn oder das Ende deiner EZ. Bist du in Teilzeitarbeiten bekommst du die normale Lohnfortzahlung durch deinen Arbeitgeber.

6.6 Recht Elternzeit in 3 Blöcken zu nehmen

Wenn Euer Kind nach dem 1. Juli 2015 geboren ist, besitzt ihr das Recht eure EZ in 3 Blöcken zu nehmen und aufzuteilen, wenn ihr das wollt. Wenn euer Arbeitgeber dem zustimmt und kulant ist, könnt ihr eure EZ auch in noch mehr einzelne Blöcke unterteilen. Ist euer Kind vor dem 1. Juli 2015 geboren, so stehen euch nur 2 Zeitabschnitte per Gesetz zu.

Vorsicht Bindungszeitraum! Damit dein Arbeitgeber für deine Vertretung sorgen kann, musst du dich für einen Zeitraum von 2 Jahren festlegen ob und wie du EZ nimmst. Diese Bindungsfrist gilt für die EZ vor dem 3. Geburtstag deines Kindes. Nachträgliche Änderungen bedürfen der Zustimmung deines Arbeitgebers.

Bei Zwillingen, Drillingen oder noch mehr Mehrlingen, nimmst du einfach nacheinander die Elternzeit für die verschiedenen Kinder um das Optimum herauszuholen.

6.7 Vorzeitig die Elternzeit beenden

Allein kannst du das so ohne weiteres nicht entscheiden. Dein Arbeitgeber muss der vorzeitigen Beendigung deiner EZ immer zustimmen. Hierzu gibt es aber 3 Ausnahmen:

  • Wenn deine wirtschaftliche Existenz bedroht ist und dir das Geld ausgeht, gilt es als Härtefall. Weitere Härtefälle sind der Tod, eine schwere Krankheit oder Behinderung eines Angehörigen. Dein Arbeitgeber kann nur aus dringenden betrieblichen Gründen innerhalb von 4 Wochen schriftlich widersprechen.
  • Wenn du erneut schwanger bist, dann reichst es deinen Arbeitgeber rechtzeitig zu informieren und du kannst deine EZ beenden, um in den Mutterschutz zu gehen und auch Mutterschaftsgeld zu bekommen. Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld gibt es aber nur, wenn du in Teilzeit während der EZ tätig bist. Der Lohn deiner Teilzeit gilt dann als Berechnungsgrundlage dafür.
  • Wenn du (Mutter oder Vater) erneut ein Kind bekommst. Auch hier kann dir dein Arbeitgeber nur aus dringenden betrieblichen Gründen innerhalb von 4 Wochen schriftlich widersprechen.

6.8 Wie bin ich in der Elternzeit krankenversichert?

90 Prozent der Deutschen sind gesetzlich krankenversichert. Für sie entfallen die Beiträge zur Krankenversicherung während der EZ. Du und dein Kind sind kostenlos bei deiner aktuellen Krankenversicherung mitversichert. Diese Familienversicherung für dich und dein Kind kommt infrage, wenn

  • du und dein Partner nicht verheiratet seid und mindestens einer von euch gesetzlich versichert ist
  • ihr Beide Kassenpatienten seid
  • dein Kind kein eigenes Einkommen über 455 Euro (Stand 2020) monatlich hat. Dieser Wert kann sich jährlich ändern.

Bist du privat oder freiwillig gesetzlich Krankenversichert, so bist du gegenüber deiner Versicherung in der Elternzeit beitragspflichtig.

Nach der Geburt das Kind schnell bei deiner Kasse anmelden. Der Schutz gilt rückwirkend ab Geburt und garantiert automatisch den Schutz der Pflegeversicherung für den Pflegefall.

6.9 Was ist mit den Beiträgen zur Rentenversicherung? Gibt es anrechenbare Elternzeit?

Die Beiträge zur Rentenversicherung während der EZ entfallen. Ihr könnt natürlich jederzeit freiwillig in die Rentenkasse einzahlen, aber der Gesetzgeber berücksichtigt auch eure Erziehungszeiten in den ersten 3 Jahren.

Pro Kind bekommt ihr einen Entgeltpunkt für euer Rentenkonto gutgeschrieben. Dies entspricht in etwa 33,05 Euro in den westlichen und 31,89 Euro in den östlichen Bundesländern (Stand 2020). In den ersten drei Jahren nach der Geburt kannst du also insgesamt 99,15 Euro bzw. 95,67 Euro zu deinem Rentenkonto dazu addieren.

Dies entspricht einem durchschnittlichen Rentenpunkt aller Beitragszahler in Deutschland und ist in etwa mit einem 3000 Euro Bruttoverdienst gleichzusetzen. Solltest du in der EZ arbeiten gehen und weniger als einen Rentenpunkt pro Jahr verdienen, dann kannst du bis zu dieser Grenze kostenfrei aufstocken lassen um die Rentenlücke durch deine Erziehungszeit zu verringern.

Die Erziehungszeit kannst du natürlich auch aufteilen zwischen dir und deinem Partner – genau wie deine Rentenpunkte für diese Zeit. Wenn du weitere Fragen dazu hast, dann informiere dich hier oder über die Hotline der deutschen Rentenversicherung 0 800 / 1000 4800

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