Autofahren mit Drillingen – die Odyssee im Kleintransporter


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Es kam wie es kommen musste. Matthias bekam wieder einmal schlimme Rückenschmerzen. Ist ja auch nicht mehr der Jüngste … aber auch nicht der Älteste. Aber das ständige Bücken, Füttern und Wickeln sind für einen durchschnittlich großen Mann ein Problem.

Da ich etwas kleiner bin, kann ich am Wickeltisch und an unseren echt tollen Hochstühlen* gut arbeiten. Gute Arbeitshöhe. Für den circa ein Meter achtzig großen Vater ist es allerdings ein Problem. Zudem er eh schon öfter mit dem Kreuz zu tun hat.

Lange Rede, kurzer Sinn – ab zum Arzt mit ihm. Aber wie stellen wir das am dümmsten an? Nun vorweg … wir, bzw. Matthias, hat den größten Teil entschieden oder mich überredet es so oder so zu tun. Es endete in einer Katastrophe. Der vielleicht schlimmste Tag mit den Dreien.

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Da er mich über die Mittagszeit bzw. am Nachmittag nicht mit den Drillingen allein lassen wollte, überredete er mich die Drei einzupacken und wir machen dann einen schönen kleinen Familienausflug. Überredet. Korona war damals noch kaum Thema.

Wir warten die Zeit ab, bis sie normalerweise das zweite Mal am Vormittag in den Schlaf fallen würden und zogen sie an und setzten sie ins Auto. Es war so gegen 10 Uhr. Oder kurz davor. Gegen 11 Uhr – spätestens aber gegen 11.30 Uhr würde es eigentlich Brei geben.

„Soll ich nicht zur Sicherheit ein Paar Flaschen Milch einpacken?“ fragte ich noch. „Ach quatscht. Hin, rein und zurück! Wir sind doch angemeldet (beim Arzt) und gleich wieder da.“ Ich weiß nicht, warum ich nicht stur geblieben bin aber ich hab’s halt so hingenommen.

Die Katastrophe nimmt ihren Lauf ...

Planlos Autofahren mit Drillingen

Die schnellste und auch die zweitbeste Route - beide dicht!

Rein ins Auto. Ziel: Frankfurt (Oder). Circa 30 km. Über Autobahn. Geht schnell. 25 Minuten. Noch schnell den Staumelder gecheckt – oh nein! A12 ist wieder dicht. Kein Problem – wir fahren außen herum über die Dörfer. Kostet uns aber 15-20 Minuten mehr.

Aber übers Land hat man mehr zu gucken. Erfreut sich an dem kommenden Frühling, sieht mehr Gegend. Die Freude währte nur kurz. Unsere Route war gesperrt. Wir mussten einen zusätzlichen Umweg über Seelow nehmen. Das kostet uns im Normalfall weitere 20-30 Minuten.

Ihr erinnert euch? Wir hatten insgesamt eine Stunde, höchstens aber 90 Minuten Zeit um zum Arzt zu fahren, behandelt zu werden und zurück zu fahren. „Schaffen wir schon.“ hat er gesagt. Als Matthias nun auf die Uhr im Auto sah, da dämmerte es ihm wohl auch, dass es mehr als knapp werden könnte.

„Wird eng“ meinte er. Oh du Optimist. Auch die Kinder erwachten nun nach und nach und meldeten sich an. Ich schnallte mich ab und hangelte mich kopfüber zu den Kindern. Nach hinten kommt man nur, wenn man die Tür benutzt. Leider. Der Mutterinstinkt siegte über die Vernunft.

Ich sang und klatschte und gaukelte ihnen die pure Fröhlichkeit vor. Als mir dämmerte, damit die Kinder sich nicht täuschen ließen und auf ihre Mahlzeit beharrten, wies ich unseren Chauffeur an einen Drogeriemarkt in Seelow aufzusuchen.

Mittlerweile brüllte D3 das ganze Auto zusammen. „Hol eine Flasche Wasser und Milchpulver und eine Flasche mit Sauger. Oder etwas Brei und einen Löffel.“ Er verschwand im Sauseschritt in dem Drogeriewarenmarkt. Eine gefühlte halbe Stunde später stand er mit einer Flasche stillem Wasser, einem Löffel, Milchpulver und einer Stiege Keksbrei vor mir.

 

„Wo ist die Flasche mit dem Sauger?“ fragte ich. Antwort vom Mann … na – könnt ihr es erahnen? „Die hatten keine!“ war seine genervte Antwort. „Die hatten keine“ ist ein Synonym für: hab‘s vergessen, nicht nachgedacht oder ich war zu stolz zum Fragen. Wenn du das auch kennst, dann lass doch noch schnell ein LIKE da.

Aber – keine Zeit um noch einmal in den Laden zu rennen. Die Zeit drängte und ein Kind wird hysterisch. Der Blick auf die Uhr verriet uns: 10 Minuten nach 11 und noch ein gutes Stück Weg vor uns. Der Doktor macht um 12 Uhr Mittagspause. Also verschlimmbesserten wir die Situation noch etwas.

D3 nahm vorn zwischen uns Platz. Heute gibt’s halt auf die Schnelle kalte Milch und kalten Brei. Die beste Entscheidung, die du für ein wählerisches Kind treffen kannst … Essen auf Rädern. To Go. In Hektik. Und gleich die nächste Katastrophe.

Der Flaschenhals und seine Öffnung waren kleiner als der Dosierlöffel vom Milchpulver. Mit jedem Löffel Milchpulver ging also ein Drittel oder die Hälfte – egal – neben die Flasche auf den Boden unseres Kleintransporters. Matthias Blick sprach Bände aber er sagte zu seinem Glück (!) nichts.

Der Flaschenhals und die Öffnung waren kleiner als der Dosierlöffel

Die Hälfte des Milchpulvers landet im Auto

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Natürlich vergaß ich vor lauter Hektik erst einmal auf die Flasche zu schauen. Wieviel ml waren denn in der Flasche? Und wieviel Löffel muss ich denn (wenn sie denn in der Flasche ankamen …) nun hineingeben. Kopfrechnen. Wird nicht einfacher, wenn ein Kind neben dir schreit!

Als ich das Ergebnis hatte, stellte ich fest, dass es eigentlich keine Rolle spielt. Als ich den nächsten Löffel Milchpulver in das kalte Wasser füllte, fiel es schon von sich aus daneben, weil die gesamte Flasche durch das Pulver bis obenhin voll war. „Kipp einfach was ab!“ sagte der Mann der weisen Entscheidungen neben mir.

Ich öffnete das Fenster und schüttete nach Gefühl etwas aus der Flasche heraus. Wie gesagt, man trifft in Stresssituationen auch mit 2 sonst gut funktionierenden Gehirnen nicht immer die besten Entscheidungen. Der Schluck strömte durch den Fahrtwind exakt an der Seite des Fahrzeuges entlang und verschönerte die blaue Beifahrerseite mit zu dünner Babymilch.

Matthias Gesicht – unbezahlbar als er den Fauxpas im Rückspiegel bemerkte! Nun war die Milch halbwegs trinkbar aber leider immer noch kalt. D3 ist sehr wählerisch was ihre Milch angeht und es blieb noch immer das Problem, das wir keine Flasche hatten. Ich versuchte es ihr während der Fahrt einzuflößen.

Der Mann der weisen Entscheidungen

Chaostag Drillinge

Da hatte er gut Lachen - anders als an unserem Chaostag

Ergebnis? Es ging natürlich mehr daneben als in den hungrigen Babyrachen. Auch mundete es ihr nicht wie sonst. Sie protestierte weiter. Was tun? Die anderen wurden auch zunehmend unruhiger. Nur noch gut 40 Minuten bis zur Mittagspause des Doc‘s.

Wir erreichten Frankfurt (Oder) und ich probierte Variante 2. Keksbrei auf – Löffel raus. Keksbrei geht doch immer! Da sie sich aber leider schon in Rage gebrüllt hatte blieb mir nichts anderes übrig als das Füttern durch den Nuckel zu unterstützen.

Und so wechselten sich Löffel und Nuckel ab und hinterließen eine herrliche Sauerei auf dem Halstuch des Kindes. Jedes Mal wenn der Nuckel wieder im Mund verschwand quoll etwas überschüssiger Brei aus den Rändern des Mundes und lief langsam aber sicher am Kinn herunter.

Hätte ich drei Arme gehabt, hätte ich wahrscheinlich noch mit einem Feuchttuch den Mund gewischt. Endlich beim Arzt angekommen und D3 war wenigstens halbwegs zufrieden. Matthias verschwand mit Sauseschritten im Gebäude des guten Doktor Steffen Steiner.

Ich quetschte mich nach hinten zu den anderen beiden Drillingen und fütterte links wie rechts Brei und bekam auch sie halbwegs glücklich und saute sie vollends ein. Wäre die Situation nicht so frustrierend gewesen, hätte ich selber darüber gelacht, denn nach circa 5 Minuten war der Papa wieder im Auto.

„Was ist los? Bist du schon durch?“ ich sah auf die Uhr. Es war noch vor 12 Uhr. „Sie sagten mir wohl bereits am Telefon heute Morgen, dass der Doktor heute erst um 14 Uhr im Haus ist!“ Mir fiel glaube ich alles aus dem Gesicht. „Und nun?“ Ja – was tun?

Erst einmal den Schock verdauen, Ruhe bewahren und nicht selber hysterisch werden – Wusa. Aber mitgehangen ist mitgefangen. Wir entschieden uns ins Spitzkrug Center zu fahren und eine Flasche zu besorgen um wenigstens etwas Flüssigkeit in die Kinder zu bekommen. Vielleicht würden sie ja nochmals einschlafen, wenn der Bauch erst einmal voll wäre.

Wir besorgten alles und bekamen alles ohne große weitere Unfälle hin. Die Kinder waren satt und wir liefen mit ihnen abwechselnd auf dem Arm etwas auf dem Parkplatz herum. Wenigstens war das Wetter an diesem Tag auf unserer Seite, wo sich doch sonst so alles gegen uns verschworen hatte.

Wir aßen abwechselnd an einem Schnellimbiss während der Andere die Bespaßung der Kinder übernahm. So langsam kippte die Stimmung aber erneut. Wer wollte es den Kindern auch verübeln? Nach Hause fahren würde aber auch keinen richtigen Sinn ergeben. Die Umleitungen und die damit verbundene Zeit. Totale Zwickmühle.

Dann trennen und erneut herfahren? Nein! Augen zu und durch. Wir stiegen ins Auto und kutschierten die Kinder über die Dörfer der Umgebung. Mal schlief der Eine – mal meckerte der Andere und trotzdem schafften wir es irgendwie bis 14 Uhr die Drillinge halbwegs weiter zu bespaßen.

Mittlerweile hatte ich auch aufgehört zu zählen wie oft unsere Oma im Hühnerstall schon Motorrad gefahren war, aber irgendwann ging uns die Ideen an Liedern aus und so sangen wir es rauf und runter. Eigentlich konnten wir es selbst schon nicht mehr hören. Die armen Kinder.

Kinderbespaßung am laufenden Band

Ich weiß nicht, wie oft unsere Oma im Hühnerstall schon Motorrad gefahren war ...

Matthias verschwand erneut beim Doktor. Dieses Mal dauerte es erheblich länger. Gegen 15.15 Uhr saß er wieder mit einem Lächeln im Auto. Eingerenkt, entblockiert und mit einem Rezept zur Physiotherapie.

Mein Lächeln war sehr gezwungen und ich zeigte mehr Zähne als mir vielleicht lieb war. Denn in den vergangenen 75 Minuten waren die Drillinge nicht müde geworden mich abwechselnd zu fordern. Ohne Pause! Mal der Eine. Mal der Andere. Ich war erschöpft und sehr müde.

Aber als der Papa im Auto saß und das Fahrzeug in Richtung Heimat lenkte um unsere Odyssee zu beenden, waren es auf einmal die liebsten Kinder. Keiner quengelte mehr. Alle spielten mit Nuckel, Fingern oder Rasseln und schliefen nacheinander ein. Und auch ich musste erst einmal die Augen schließen. Heute können wir selber darüber lachen und haben unsere Lehren daraus gezogen.

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