Der erste Spaziergang


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An einem Samstag fuhren wir ganz aufgeregt mit unserem Transporter in das Krankenhaus um unsere drei Babys zu besuchen. In unserem Kofferraum und auf der Rückbank verteilt, lag der auseinandergebaute Drillingskinderwagen*. Was für ein Gerät. Aber einfach zu bedienen und im Handumdrehen aufzubauen und auch auseinanderzunehmen.

Bereits auf dem Parkplatz staunten die Leute nicht schlecht. Anstatt sich mit ihren Augen auf Parkplatzsuche zu begeben, mussten sie das Treiben an dem blauen Transporter beobachten. Dort entwickelten wir mit ein paar Teilen und Handgriffen aus einem schmucklosen Kinderwagengestell, ein riesiges Baby-Kreuzfahrt-Schiff mit drei Kabinen. Wow!

Es fühlte sich unbeschreiblich schön an. Ich schob den Kinderwagen über den Parkplatz des Frankfurter Klinikums. Endlich! Waren zwar noch keine Drillinge drin aber ich war voller Vorfreude und bekam einen Vorgeschmack auf die nächsten zwei Stunden.

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Endlich spazieren gehen, aber Sachen und Decken für die Drillinge? ... völlig vergessen!

Die erste Hürde ereilte uns beim Betreten des Klinikums. Passen wir überhaupt durch den Seiteneingang? Wir nehmen sicherheitshalber den Haupteingang. Welcher Fahrstuhl ist tief und breit genug um uns zu transportieren? Wie kommen wir von dort auf die Neonatologie? Diese Probleme sollten uns nun des Öfteren unseren Alltag versüßen.

Als wir auf der Neo ankamen, begrüßten uns Schwestern und Ärzte freudestrahlend wie immer. Das Gefährt, unser SUV mit Ökoantrieb, machte mächtigen Eindruck. Alle standen darum herum und begleiteten ihre Begutachtung mit vielen Ooooo’s und Aaaaa’s. Wo bekommt man sowas her? Was kostet so etwas?

Und dann war es endlich so weit. Nach einer schnellen Milchmahlzeit und mit vollen Bäuchen legten wir die Kinder in den Wagen. Und gleich der erste organisatorische Fehler! Schön einen Kinderwagen zu haben für alle drei – gut wären auch Decken zum Einwickeln oder Kissen zum Bedecken der Kinder gewesen. Völlig vergessen in der Aufregung! Ein Glück organisierten die engagierten Schwestern ein Paar Kissen und Decken. So musste der erste Ausflug in die Freiheit nicht ins Wasser fallen.

Unsere Kinder waren so klein, sie hätten in Baby Born Sachen gepasst.

Drillinge Drillingswagen

Als wir an der frischen Luft ankamen, war es überwältigend. Es fühlte sich wie eine richtige Familie an. Meine „kleine“ Familie lief auf den Betonflächen und gepflasterten Wegen des Klinikums nahe der polnischen Grenze herum. Ich war der Steuermann. Stolz, Erleichterung, Glück. Viele Gefühle kamen zusammen. Auch war es ein Stück normaler Alltag, der uns nun begleitete. Nicht nur die piependen Monitore und die verkabelten Kinder.

Ein bisschen Abseits der vielen Menschen auf den Hauptwegen konnten wir unser privates Glück dann auch noch besser genießen. Nur für uns. Eigentlich fehlten nur die Zwillinge um die Rasselbande abzurunden, die wir nie mit ins Krankenhaus nahmen. Ihnen zeigten wir die Fortschritte ihrer Halbgeschwister durch Bilder, Videos und Gespräche.

Auf den vielbelaufenen Wegen waren wir natürlich die Attraktion. „Mein Gott, es sind ja drei!“ oder „Ach herrje – Drillinge!“ staunten die Leute. Etwas abseits des Weges trafen wir ein (schätzungsweise) 11-jähriges Zwillingspärchen mit ihrer gleichaltrigen Freundin und zwei Erwachsenen. Dachten wir und sie sprachen uns wie viele andere auch an. „Sind sie die Drillinge, die hier vor kurzem geboren wurden?“

Wie das Leben so spielt - die Drillinge treffen ihre "Vorgänger"

Nach dem wir das stolz bestätigen konnten, sagte die eine, die wir für eine Freundin hielten: „Unser Lehrer hat uns davon erzählt, dass es noch mal Drillinge gibt – so wie wir!“ Und da verstanden wir erst. Wir waren nicht die einzigen Drillinge hier und heute! Auch sie wurden hier geboren und der Vater wünschte uns mit einem etwas mitleidigem Blick „starke Nerven“.

Damals verstanden wir, besoffen vor Glück, noch gar nicht so recht was er meinte. Und wie das Leben so spielt … als wir nach einer guten Stunde wieder auf Station zurückkehrten, sahen wir ein Bilderrahmen direkt neben unserem Zimmer. Eine Collage. Es war eine Danksagung an die tolle Arbeit des Teams der Neonatologie. Es waren eben jene Drillinge, die wir gerade im Park getroffen hatten.

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Habt Ihr auch schon komische Zufälle im Leben erlebt? War das Schicksal? Seit ihr auch schon wie Außerirdische bei igendwas angestarrt worden? Als wir den Kinderwagen zusammengebaut haben kamen wir uns vor, wie die Neuen am Strand, die versuchen eine Klappliege aufzubauen. *aus den Augenwinkeln die Leute beobachten* Bloß nicht blamieren!  – dann schreibt es mir doch weiter unten in die Kommentare!

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