Ein holpriger Start


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Endlich sind wir alle zu Hause. Endlich vereint. So wie wir es uns immer gewünscht hatten. Und obwohl die Kinder bereits 7 Wochen alt waren, kannten wir sie im Grunde genommen noch nicht.

Wir wussten bereits wer etwas sensibler reagierte und wer wie schnell seine Milchflasche leerte. Im Grunde war es das aber. Jetzt ging es an’s Kennenlernen.

Die ersten Nächte waren mit sehr wenig Schlaf verbunden. Wir und die Drillinge mussten uns erst so ein bisschen an einander gewöhnen. Klingt eigenartig, da es ja der eigene Nachwuchs ist und nicht der Wurf von den Nachbarn.

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An Nachtruhe war meistens erst ab 12-1 Uhr zu denken. Dann standen wir um 3 Uhr wieder bereit um den nächtlichen Absacker zu geben. Das hat anfänglich fast 2 Stunden gedauert. Die Kinder tranken sehr langsam und ich musste immer noch Abpumpen, da die Kinder die Brust nie richtig annahmen.

Das kostete uns dann jedes Mal 20-30 Minuten extra. Etwas nervig – aber Muttermilch ist die Mühe wert! Mein linker Milchspender funktionierte gut. Die rechte Seite jedoch ließ sich immer etwas bitten und gab weniger von sich Preis.

Als wir gegen 5 Uhr wieder in den Schlaf fanden hieß es erneut  gegen 7 Uhr aufstehen. Manchmal halb acht, wenn die Kinder gnädig waren. Mittags konnte sich einer von uns für kurze Zeit erneut ausruhen, während der Andere Hausarbeit leistete oder Kinder beruhigte.

Baby Drilling

Und so langsam zeichnete sich das ein oder andere Verhalten der Drillinge ab. Selbst unter den Eineiigen kam ein unterschiedliches Temperament zum Vorscheinen. Eine war und ist bis heute noch etwas forscher und fordernder. Wenn es ihr reicht, dann kann man das von uns aus bis zum Nachbaraufgang hören.

Die Andere war unser Baby zum Üben, wie wir sie oft nannten. Hätten wir nur sie als einzelnes Baby bekommen, wären wir etwas beschäftigungslos gewesen. Sie trank relativ zügig (30 Minuten) ihre 90 bis 120 ml aus, lächelte eine Weile und schlief wieder ein. Bis zur nächsten Mahlzeit – wenn nichts dazwischen kam.

Dann noch unser kleines Einzelkind. Sie war im Mutterlaib alleine. Nicht ganz. Aber sie hatte eine Fruchthöhle für sich und einen eigenen Mutterkuchen. Sie kostete uns zu Anfang die meiste Kraft. Ständig hatte sie irgendein Wehwehchen. Irgendwas saß ihr immer quer, schief oder waagerecht, egal wie man sie drehte oder wendete.

Vielleicht hochsensibel? Sie schaut uns auch nicht oft an. Hmm! Koliken? Sind das nicht diese Koliken von denen immer alle sprechen? Oh nein! Wie lange geht das so? 3 Monate. Gott bewahre! Die arme Kleine. Was für Gedanken wir uns auch machten, was wir auch versuchten. Es gab mehr schlechte Tage als Gute.

Irgendwann lebten wir mit dem permanenten Gejammer und Schluchzen des kleinen Babys mit dem schweren Start in unserer Familie. Was sie wirklich hatte und was sie bedrückte, dass sollten wir erst viel später erfahren (und Ihr auch), denn das ist eine andere Geschichte!

Und so begleitete uns dieses Geräusch eine ganze Weile, genauso wie der Stapel an Wäsche, die vielen ungespülten Milchflaschen und die vielen Anträgen von Amt XYZ und Behörde ABC.

Manchmal waren wir sehr genervt von allem. Besonders von unserer Krankenkasse. Ständig mussten wir sie erinnern und hinterhertelefonieren. Wir mussten uns hier schlau machen und da etwas einfordern. Darauf bestehen und diesen Leuten etwas Beine machten.

Legt Euch nicht mit einem an Schlafmangel leidendem, ungeduschten und unterzuckerten Familienvater von 5 Kindern an!

Vater mit Drilling

Nach einer schwierigen Nacht und erneutem Ärger mit der Krankenkasse konnte Matthias nicht mehr an sich halten. Mitarbeiterin Meier wusste mal wieder nichts vom Gespräch mit Mitarbeiterin Müller und erzählte uns, das komplette Gegenteil am Telefon.

Legt Euch nicht mit einem an Schlafmangel leidendem, ungeduschten und unterzuckerten Familienvater von 5 Kindern an.

Ich muss wirklich sagen, dass er viel Geduld hat. Mit vielen Leuten. Ganz besonders mit den Babys. Was ihn nervt ist Halbwissen der Leute und Inkompetenz.

Die junge Dame am Telefon jedenfalls startete nun genauso schlecht in die Woche wie wir. Irgendwann setzte eine Sicherung bei ihm aus. Er beschimpfte sie nicht. Aber er redete sich seinen ganzen Frust von der Seele. Richtig in Rage. Ich lehnte mich zurück und ließ ihn machen.

„Glauben Sie wir haben hier nichts anderes zu tun? Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Ich erwarte schnelle und kompetente Hilfe. Ich bin es satt jedem hinterher zu telefonieren. Ist das ihr Anspruch an Service für ihre Kunden? Na dann, gute Nacht!“

Mutter mit Drilling

Herrlich. Die arme Dame. Vielleicht war sie neu. Vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls verband sie den Vater im Berserker-Modus unter stottern an die nächst höhere Stelle. Dieser Mensch schaffte es den roten Kopf vom Vater in ein menschliches Gesicht zurückverwandeln. Des Vaters Antworten waren zwar mürrisch und kurz auf die netten Fragen des vermutlichen Abteilungsleiters – aber sie kamen.

Der hatte bestimmt auch so ein Coaching absolviert. Er ließ sich nicht von der schlechten Laune des Drillingspapas anstecken sondern wirkte kompetent und zielstrebig und versprach sich unserem Problem anzunehmen. Und es funktionierte.

Und nicht nur wir wollten die Drillinge kennen lernen. Auch die Zwillinge waren natürlich ganz gespannt auf ihre Halbgeschwister und die ganzen Omas und Opas, die Nachbarn, Freunde und Bekannte. Alle machten den drei neuen Erdenbürgern ihre Aufwartung und brachten Gaben mit.

Über drei Ecken sprach sich die Sensation natürlich schnell herum und plötzlich hatten wir viele Freunde. Jeder kannte uns. Jeder wollte was wissen. Jeder war schon immer unser Freund und wollte auch mal gucken, anfassen oder Flasche geben.

An unserem Terminkalender füllte sich der gesamte Oktober und November mit Besuchszeiten und Arztterminen. Soweit ich mich zurück erinnere, gab es nicht mal eine Handvoll freie Tage ohne Termin. Man wollte auch niemanden vor den Kopf stoßen. Für unsere Kleinen war das nicht die Beste Entscheidung. Sie wurden zunehmend unruhiger.

Zwillinge Drillinge Mehrlinge Mehrlingswahnsinn Logo 1

Konntet Ihr die erste Zeit mit Eurem Kind / Euren Kindern genießen? War es für Euch eher Stress oder habt Ihr Euch vielleicht mehr abgeschottet als wir? Kennt Ihr das Szenario mit Behörden, wenn man nur noch Rot sieht? Konntet Ihr an Euch halten oder platzt es dann aus Euch heraus? … dann schreibt es mir doch weiter unten in die Kommentare!

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2 Gedanken zu „Ein holpriger Start“

  1. Respekt! In der Regel ist man ja schon mal mit einem Säugling überfordert, aber gleich drei! Hut ab vor eurer Leistung!
    Den Berserker-Drillingsvater sollte man sich ausleihen können. Wenn der Nachbar einen zuparkt oder die Post mal wieder erst am späten Nachmittag kommt. Oder so. 😉
    LG
    Sabienes

    Antworten
    • Den gebe ich nicht ab. Nicht mal zum Ausborgen. Wer soll denn den Leuten sonst Beine machen? =)
      Aber vielen Dank für das Kompliment.

      LG Antje

      Antworten

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