Impfen – 48 Stunden allein im Krankenhaus


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Es kam der Tag im Oktober, vor dem ich großen Respekt hatte. Ich musste ins Krankenhaus. Mit den Drillingen. Zur ersten 6-fach Impfung. Allein.

Wie das Leben es oft so will, war an dem Termin zur Immunisierung nicht zu rütteln und es war klar, dass wir die erste Impfung stationär erhalten würden. Unsere kleinen Frühchen-Mädchen sollten nach dem Pikser 48h am Monitor überwacht werden.

Die Gefahr auf irgendwelche Aussetzer (Herz oder Atemzentrum), ich erinnere mich nicht mehr genau, ist bei Frühchen wohl erhöht und so wollte man kein Risiko eingehen. Das Verfahren kannten wir ja nun schon … drei Elektroden am Oberkörper und eine Manschette am Fuß. Nur dieses Mal auf der Kinderstation.

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Leider war Matthias zu diesem Zeitpunkt verhindert sonst hätte er mich natürlich begleitet. Seine Zwillinge waren in den Ferien zu Besuch. Nach langer Überlegung entschlossen wir uns, die beiden nicht unter den drei „leiden“ zu lassen.

Wir wollten ihnen zu keinem Zeitpunkt das Gefühl geben, dass sie wegen den Drillingen zurückstecken müssen – schließlich kommen sie um ihren Papa zu sehen. Auch die Omas waren verhindert und so mussten ich und die anderen Mehrlinge allein dort durch.

Leider war es dieses Mal nicht so gut organisiert wie wir das kannten. Die Kinderstation war wohl auf so ganz kleine Menschen in dieser Anzahl nicht so richtig vorbereitet. Unser Zimmer war nicht ausgestattet und ich musste mir erst alles zusammensuchen.

Die Dezibel steigen mit zunehmender Aufenthaltsdauer

Eine Wickelunterlage, Windeln, eine Milchpumpe – da ich zu diesem Zeitpunkt noch stillte bzw. abpumpen musste, Flaschenwärmer – die dann nie im Zimmer ankamen. Leider gab es auch nur 2 Monitore und so mussten die Größte und vermutlich Stabilste in eine Teilzeit-Überwachung.

Schien ein bisschen Personalnot zu herrschen. So wie man das aus den Medien kennt. Nett waren sie trotzdem alle. Besonders Schwester Heike und eine Schwester in der Ausbildung (dessen Namen ich leider vergessen habe) schlossen wir sehr ins Herz.

Sie kümmerten sich sehr rührend und liebevoll um uns und halfen mir und den Drillingen wann immer sie es ermöglichen konnten. Heike‘s Spruch ist uns noch bis heute im Ohr geblieben und wir verwenden ihn nun selbst gern, wenn einer der drei etwas zu meckern hat. „Na was ist mit dir, du kleines Gehoppse?“

Jedenfalls kam es nun auch wie es kommen musste. Organisatorisch das reinste Chaos. Das letzte was man als Mutter mit vielen kleinen Kindern gebrauchen kann. Die Flaschen wurden auf mein Klingeln hin erwärmt.

Das hielt die Drei natürlich nicht davon ab ordentlich Lärm zu machen. Dann kamen die Flaschen oft zu heiß ins Zimmer und ich musste sie unter dem Wasserhahn kühlen bevor ich sie geben konnte. Indessen nahm die Lautstärke im Zimmer den Pegel einer Berliner Kreuzung im Feierabendverkehr an.

Während ich nun dann die Erste mit Milch versorgen konnte (wenn mir keiner der Schwestern helfen konnte – bei ungefähr 4 von 6 Mahlzeiten täglich!) hielt es die Anderen nicht davon ab die Dezibel nochmals zu erhöhen. Wir erreichten die Phase Baustellenlärm mit Presslufthämmern am Anschlag – nur sehr viel höher in der Stimmlage.

Ich stand vor der Wahl - Hände verbrühen oder Kind beruhigen

Manchmal schliefen sie auch einfach entkräftet auf meinem Arm beim Trinken ein, was sie nicht davon abhielt nach einer halben Stunde oder Stunde erneut lautstark nach der Flasche zu verlangen. Da ich keinen Flaschenwärmer besaß, lief ich wieder zum Wasserhahn und musste die Flasche so wieder erwärmen.

Leider gab es auch keinen Stöpsel zum Waschbecken und so musste ich die Flasche unter dem brühend heißen, fließenden Wasser erwärmen. Das ging aber nur solange wie das Kind in gemäßigter  Lautstärke danach verlangte.

Steigerten sie sich in einen Tobsuchtsanfall, versuchte ich die Flasche so im Ausguss zu verkeilen, dass das Wasser es schwieriger hatte durch eben jenen in der Tiefe der Rohrsysteme zu verschwinden. Daran ganz hindern konnte ich es leider nicht. Es floss einfach nur langsamer ab und erwärmte so die Milch in der Flasche.

Das gab mir nun die Möglichkeit das Kind im Zimmer zu beruhigen, welches ja immer noch am Monitor hing – sonst hätte ich es einfach mit herumgetragen. Und so wechselte ich zwischen Beruhigen und Wasser nachfüllen. Zwischen Bettchen und Waschbecken.

Impfung Zwillinge Kinderstation

Oder ich verbrühte mir einfach (wie oben bereits erwähnt) die Hände um die Flasche schneller warm zu bekommen. Ich war selbst überrascht, welche Schimpfworte und Flüche mir einfielen und einfach so aus meinem Mund kamen. So bin ich sonst nicht!

War der Hunger gestillt und mein eigener Schmerz vergangen, wechselten wir von Stadionatmosphäre zurück zu leichtem aber doch hörbaren Beschweren, da die Drillinge anfingen mit dem leichten Fieber zu kämpfen. Ein Traum. Außerdem waren die Kabel der Monitore so kurz, dass ich nur 2 Kinder in Reichweite meines eigenen Bettes stellen konnte.

Die Dritte war weiter weg und ich musste jedes Mal in der Nacht aufstehen um sie zu trösten. Ratet mal wieviel Schlaf ich in den 48 Stunden bekam … gefühlt waren es nur 2h pro Nacht – nicht am Stück versteht sich.

Dazu kam das, in diesem Fall, lästige Abpumpen der Muttermilch. In dieser Zeit hielt mir sonst stets Matthias den Rücken frei und ich konnte in Ruhe die CO2 neutrale, klimafreundliche und einhundertprozentige Bio-Milch aus meinen Brüsten holen.

Da die Mädchen leider nie die richtige Kraft und Technik entwickelten um die Milch direkt aus meinem Körper zu holen, musste ich also alle 4 Stunden an den Zapfhahn. Im Krankenhaus pumpte ich in Etappen. Immer wieder unterbrach die intime Zweisamkeit mit der Pumpe um ein Baby zu beruhigen.

Nach der ersten Nacht tröstete ich mich aber mit dem Fakt, dass ich dann wenigstens mal wieder Fernsehen schauen würde, was mir in den letzten Monaten nicht so richtig gelingen wollte. Leider gab es um 22 Uhr das böse Erwachen.

Gern wäre ich duschen gegangen - auch um mal durchzuatmen - Fehlanzeige!

Auch diese Beschäftigung wurde mir verwehrt. Auf der Kinderstation geht die Glotze nämlich dann automatisch aus. Och nö! Gott sei Dank gab es Schwester Heike. Nach einem großen Frustanfall – à la: alles Scheiße hier! – rettete sie mich mit irgendeinem Trick. Der Fernseher funktionierte wieder.

Als letzter Höhepunkt dieses kurzen All-inclusive Aufenthaltes konnte ich meine eigenen Bedürfnisse nach körperlicher Hygiene leider nicht befriedigen. Denn zum Duschen hätte ich wieder eine Schwester im Zimmer gebraucht, die auf die Drillinge aufgepasst hätte.

Leider passte dieses Bedürfnis nicht in den Ablaufplan des Früh- oder Spätdienstes. An einem der beiden Tage musste ich mit Katzenwäsche und einem Deo leben. Ein Glück benötigte ich zum Zähne putzen keine Hilfe. Schon frustrierend, wenn man immer auf Hilfe angewiesen ist.

Als wenn das mein größtes Problem gewesen wäre, aber es war einfach das i-Tüpfelchen nach einer Nacht mit sehr wenig Schlaf und sehr weinerlichen Kindern am Tag. Nach einer weiteren wundervollen Nacht mit wenig Schlaf – aber dieses Mal mit Fernsehen, erlöste uns der Papa am Morgen.

Die Visite schaute noch kurz nach uns, beglückwünschte und verabschiedete uns. Bis auf mein Nervenkostüm hatten alle Beteiligten die Impfung gut überstanden. Ich fiel zu Hause erst einmal in mein Bett und überließ dem Papa das Feld mit Drillingen und Zwillingen. Nur kurz auf die „Auswechselbank“ – bevor ich auf das Spielfeld zurückkehrte.

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Hattet Ihr schon einmal vor einer Aufgabe einen Riesenrespekt? Habt Ihr vielleicht Angst verspürt? Hat sich das, im Nachhinein betrachtet, auf Eure Kinder / Euer Kind ausgewirkt? Habt Ihr Strategien für Anspruchsvolle Aufgaben?

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