Rund um Check-Up für die Drillinge


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Wir waren mächtig nervös und fragten uns natürlich selbst ständig – sind sie schon gut entwickelt? Wo können wir ihnen noch helfen? Was ist mit unserem D3 (Drilling #3) so anders?

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D3 kam als letztes zur Welt und ging den Ärzten ein Mal durch die Lappen. Ein zweites Mal ziehen und sie war draußen. Seit dem Verlassen der Neo hat sie uns sehr auf Trap gehalten. Immer scheint irgendwas zu sein. Sie ist sehr unzufrieden und weint und brüllt auch viel. Wir kommen tags und nachts an unsere Grenzen mit ihr!

Wir waren zum Termin geladen im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) des Klinikums Frankfurt (Oder) und fuhren fast pünktlich los. Nur 5 Minuten nach dem Zeitplan. Und das mit 4 weiblichen Wesen … bis alle zurechtgemacht waren – naja. Der Papa fuhr trotzdem den Verkehrsregeln entsprechend um seine Wertvolle Fracht zu beschützen.

Nur bremste er sehr spät und ging früh wieder aufs Gas um die maximal erlaubte Geschwindigkeit lange beizubehalten. Er hatte Spaß daran. Männer halt. So ein Sessel-Vettel. Ich glaube es war sogar um die Zeit des Formel 1 Finales im letzten Jahr. Wenn ihr auch so einen Mann zu Hause habt, dann wisst ihr wovon ich spreche und lasst doch gleich auch mal ein Like da. Dankeschön!

5 Minuten hinterm Zeitplan

Matthias wird zum Sessel-Vettel

Jedenfalls schaffte es Sessel-Vettel ohne Boxenstopp auf einen 250m weit entfernten Parkplatz zu steuern. Im Handumdrehen bauten wir unseren Drillings-Royce zusammen und spurteten das letzte Stück mit dem roten Flitzer über die ramponierten Bürgersteige in Rand-Polen.

Die Kinder mussten einiges aushalten und verschliefen den ganzen Spaß in ihren Schlafabteilen. Wir kamen eine Minute nach 9 Uhr (also eigentlich pünktlich!) dort an. Wir wurden schon erwartet und freundlich begrüßt. Unsere zuständige Ärztin bat uns herein und schenkte erst einmal dem imposanten Gefährt ihre Aufmerksamkeit.

„Ist das eine Sonderanfertigung oder kann man das so kaufen?“ – Ich weiß, dass der Papa gern erzählt hätte, er hat es Kraft seiner eigenen Hände erschaffen aber ich kam ihm mit einem Lächeln zuvor und erzählte ihr, dass wir den gebraucht gekauft haben. Da es in unserem schönen Brandenburg zu dieser Zeit leider kein Kinderwagen in dreifacher Ausführung gab, fuhr die liebe Oma mit ihrem Freund hinunter bis nach Bielefeld. Danke ihr beiden!

Die allabendliche Herausforderung

2 von 3 Drillingen brüllen Abends im Bett

Nun sollten wir uns setzen und sie fragte allerlei Dinge und ließ uns von unserem Alltag erzählen. Wir schilderten ihr unseren Tagesablauf und das wir kleinere Sorgen hatten. Erstens: D3 hat scheinbar immer schlechte Laune. Wir sind eigentlich durchweg positiv gestimmte Menschen. Der Papa sogar schon am Morgen. Ich dann bisschen später.

Und am Abend beim Zu-Bett-Gehen bekommen D1 und D2 plötzlich schlechte Laune und Schreiattacken wohingegen D3 dann unkompliziert einschläft. Selbst bei der Lautstärke. Neben zwei Sirenen. Sie vermutete, dass D3 hochsensibel sei und D1 und D2 einfach am Abend noch den Tag verarbeiten würden.

Alle Eindrücke wie Gespräche, Gerüche und die vielen unterschiedlichen Geräusche, die sie auch in den Schlafphasen wahrnehmen würden kämen in dieser Ruhephase aus ihnen heraus. Aha – aber wenn das so ist, was dagegen tun? Nun ihr Rat war ziemlich einfach aber nicht so einfach umzusetzen. Gestalten sie die ersten Wochen für ihre Drillinge so langweilig wie möglich und immer gleich.

Wenig Besuch. Viel frische Luft in verkehrsberuhigten Bereichen. Am besten auf dem Feld oder im Wald. Wir wohnen an einer Hauptverkehrsstraße. Im dritten Stock. Ohne Fahrstuhl. Oh ja. Aber ein verkehrsberuhigter Bereich liegt nur ein Paar Minuten von uns. Der Wald ist etwas weiter weg.

Und tatsächlich probierten wir den Wald und das Feld aus. Und obwohl wir die Natur lieben, so gibt es dort weniger gepflasterte oder betonierte Wege. Überall kommen Wurzeln aus dem Boden oder ragen große spitze Steine aus den Wegen heraus. Der Tod für unseren Drillingswagen. Leider.

"Wir versuchten es mit Musik. Mit dem Trennen der Schlafplätze. Mit Schuckeln. Mit Singen. Mit Pucken und mit Nähe."

Optional hätten wir zwei in Manduka’s (Manduken? Schreibt mir doch mal die richtige Mehrzahl in die Kommentare! Vielleicht stimmen wir dort auch einfach ab!) oder Tragetuch nehmen und mit einem über die buckelige Piste fahren. Wie oft haben wir das gemacht? Kann ich an einer Hand abzählen.

Wir suchten uns Wege, die in ruhiger Umgebung lagen und verbrachten viel Zeit mit dem Schieben an der Spree entlang oder durch eine ruhige Siedlung. Das mit dem wenig Besuch ließ sich nicht so richtig durchsetzen. Erst später – als die Sensationslust aller gestillt war, was natürlich auch nachvollziehbar war.

Am Abend könnten wir den Kindern nur bedingt helfen meinte sie. Um die Kinder nicht zu verwöhnen sollten wir sie um Gottes willen nicht herumtragen. Auch nicht streicheln oder am Bettchen wackeln. Wir könnten den Kindern die Hand auf die Brust legen um ihnen so zu signalisieren, dass wir da wären und sie nicht allein sind.

Wir haben es versucht. Ehrlich. Resultat? Wir schaukelten und trugen die Kinder natürlich jeden Abend durch die Wohnung. Manchmal mussten auch unseren lieben Nachbarn mit ran. Sie halfen uns oft und unterstützten uns in dieser kritischen Phase. Auch ihnen können wir nicht genug danken! Sie sind wie unsere Familien immer für uns alle da! Danke!

Irgendwann sagte uns unser Bauchgefühl, dass dieser Rat nicht zu uns passte. Wir probierten Apps aus die Staubsauger & Co nachahmten. Wir versuchten es mit Musik. Mit dem Trennen der Schlafplätze. Mit Schuckeln. Mit Singen. Mit Pucken und mit Nähe. Mal half das eine und mal das Andere. Ging die Phase vorüber? Oh ja! Nach circa mehr oder weniger heftigen 2 Monaten!

"Und ganz oft haben wir mit unseren Tränen gekämpft. Waren wütend auf einen schlechten Tagesablauf ..."

Haben wir Ihnen irgendwas angewöhnt? Nein! Vielleicht weil wir es immer und jeden Abend trotzdem auf die gleiche Weise versucht haben. Alle in ihr Bett. Liedchen vom Papa – nicht das ich nicht singen kann, aber meine Stimme bewegt sich nicht ganz so optimal durch die Höhen und Tiefen einer lieblichen Melodie. Dafür kann ich mir den Text schnell merken. Jeder hat seine Stärken!

Irgendwann hörte es halt einfach auf. Das Gehirn war wohl gereift und konnte nun mehr tägliche Reize verarbeiten. Was es auch immer war, scheinbar mussten wir alle da durch. Und ganz oft haben wir mit unseren Tränen gekämpft. Waren wütend auf einen schlechten Tagesablauf – das wieder zu viel Besuch da war (wollten jedem gerecht werden) oder enttäuscht, dass die Strategie vom Vortag nicht fruchtete.

Für D3 fand die gute Frau im SPZ jedoch eine Lösung. Als wir das Kind vor ihren Augen entkleideten, viel ihr sofort diese bogenförmige Haltung auf. „Schaut sie immer nach rechts?“ Wir konnten das bejahen und sie verständigte sofort ihre Kollegin, die für die manuelle Therapie zuständig war.

„Die manuelle Therapie dient in der Medizin der Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparats (Gelenke, Muskeln und Nerven). Sie ist der von Physiotherapeuten mit einer speziellen Weiterbildung durchgeführte Teil der Manuellen Medizin (…) und beinhaltet Untersuchung und Behandlungstechniken.“ Quelle: Wikipedia

Diese Frau kam gut gelaunt in den Raum und stellte ihre Arbeitsmethode vor. Sie würde das Kind jetzt von Blockaden befreien. Wir waren etwas skeptisch, denn wir waren bereits bei einem Osteopathen, der auch Blockierungen gelöst hatte. Die Ärztin war etwas irritiert. Sie könne mit ihrer Ausbildung viel tiefer gehen als die Osteopathie. Sie würde nur an der Oberfläche kratzen. Aha!

Bei der Therapie zeigte sich der unterschied. Sie hatte uns vorgewarnt. Es würde schlimmer aussehen als es ist. Aha! Es sah sehr schlimm aus und das Baby brüllte ununterbrochen. Es wurde festgehalten und verdreht. Einmal so wie in den alten Kung-Fu Filmen, wo sie das Genick brechen. Fürchterlich. Wir haben es mit großer Anstrengung ertragen.

Als sie fertig war, strahlte D3 zwar nicht gerade aber es ließ sich fix beruhigen und lag dann auch gerade vor uns auf dem Tisch. Die Ärzte lächelten. Das Kind begann zu lächeln. Wir lächelten. Happy Family! Unglaublich! Sie zeigte uns noch zwei Übungen zum Dehnen des Beckenbereiches und des Halses, die wir täglich 2 Minuten pro Seite machen sollten.

Das Kind brüllte und Matthias Sang "3 Chinesen mit dem Kontrabass" - Alle Strophen!

Ich glaube, sie hasst das Lied bis heute

Und tatsächlich besserte sich D3’s Laune in den nächsten Tagen merklich. Sie begann zu strampeln. Sie fuchtelte mit den Armen herum. Sie gluckste Geräusche. Und sie lächelte. Schlechte Laune bekam sie eigentlich nur noch, wenn sie müde wurde oder hungrig und wenn Matthias die Übungen mit ihr durchführte. Dann brüllte sie früh und abends für insgesamt 4 Minuten.

Am Anfang nahm er eine Stoppuhr. Habt ihr schon einmal 4 Minuten versucht nach Gefühl zu bestimmen? Während das Baby brüllt. Keine Chance. Du schaffst vielleicht 1,5 Minuten. Matthias stellte irgendwas fest, dass das Lied „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ ungefähr 2 Minuten geht, wenn man die erste Strophe 2 mal singt und im Anschluss die Versionen mit den A‘s, E‘s, I’s, O’s und U’s. Ich glaube, sie hasst das Lied bis heute. Dafür hat’s geholfen.

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