Wie alles begann


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Diese Kerze befand sich im 24. Türchen meines Adventskalenders. Mein Partner hatte mir eine Kerze gießen lassen mit 3(!!!) Herzen … wir waren bereit für Nachwuchs – wer konnte schon ahnen, dass diese 3 Herzen eine ganz besondere Symbolik bekommen sollte.

Bei jedem Arztbesuch wurde es verrückter

Das Jahr 2019 sollte unser Jahr werden. Manche nehmen sich vor nicht mehr zu rauchen (das hatte ich schon aufgegeben) oder sich mehr zu bewegen (ich war bereits sportlich aktiv) oder sich gesünder zu ernähren (ich ernährte mich bereits ... naja - bis auf diese aggressiven Gummitiere, die immer wieder in meinen Mund sprangen). Spaß beiseite! Schon lange trug ich den Wunsch in mir, Mutter zu werden. Ich lebe zwar in einer Patchworkfamilie mit meinem Partner und seinen beiden Zwillingen, dennoch wollten wir unserem gemeinsamen Glück auch einen Namen geben.
Der erste Arztbesuch
Ich wusste bereits, dass ich Schwanger war. Dennoch plagte mich eine innere Unruhe und ich wurde immer nervöser. Isst auch alles gut? Warum habe ich solche Schmerzen? Also beschloss ich zum Arzt zu gehen. Meine Frauenärztin ist eine tolle Frau. Sie nahm sich meiner ganz behutsam an und nahm meine emotionale Schieflage ernst. Wir vereinbarten, dass sie allein auf den Monitor schauen würde und mir dann bescheid geben würde, wenn alles in Ordnung sei. Dann könnte auch ich auf das Schwarz-Weiß-Kino schauen. Es verstrich sehr, sehr, sehr viel Zeit. Meine schlimmsten Befürchtungen, etwas könnte nicht stimmen, schienen sich zu bewahrheiten. Nach einer halben Stunde fragte mich meine Ärztin, ob ich hormonell nachgeholfen hätte, was ich aber verneinen konnte. Sie sagte, sie hätte so etwas in Ihrer Laufbahn noch nicht erlebt und drehte den Monitor. "Herzlichen Glückwunsch. Sieht aus als wären es drei."
Der Zweite Arztbesuch
Ich nahm meinen Freund mit zum zweiten Kontrolltermin, gleich in der darauffolgenden Woche. Es wurde die siebente SSW (Schwangeschaftswoche) festgestellt. Alles schien normal und wir waren mittlerweile gefasst und glücklich, obwohl wir uns natürlich etwas sorgen um die Zukunft machten. Können wir das alles stemmen? Finanziell? Werden wir allen gerecht? Mein Freund scherzte: "Aber nicht, dass sie eins übersehen haben!" Fünf Minuten später waren wir so weiß wie der Kittel der Ärztin. "Nein, nein ... warten Sie ... Sie haben recht. Es sind in der Tat ... ähm ... vier!"
Der Dritte Arztbesuch
Mich plagten schreckliche Schmerzen. Ich hatte ein ganz schlechtes Bauchgefühl. Etwas stimmte nicht. Ich rief meinen Freund an. Er ließ sofort alles stehen und liegen und brach seinen Dienst ab. Leider hatte meine Ärztin zwei Tage geschlossen und wir mussten zu einer Vertretung. Und dass in so einer Situation. Die Vertretung war total begeistert von uns und sehr sympathisch. Sie nahm mir schnell das schlechte Gefühl. Sie erklärte, dass es völlig normal sei, dass ich starke Schmerzen hätte. In meinem inneren weitet sich alles um Platz zu machen. Ich solle es mir vorstellen, wie einen Luftballon, der sich aufbläst. Irgendwann gibt es einen Widerstand. Ich war erleichtert und mein Freund scherzte wieder: "Aber nicht, dass sie eins vergessen haben Frau Doktor." "Nein, nein", sagte sie "es sind in der Tat fünf ... schauen sie selbst!"
Der vierte Arztbesuch
"Und sie sagen es war alles auf natürlichem Wege? Das habe ich noch nie erlebt." Sagten beide Ärzte. Und doch wurden sie beide ernster. Es gibt die Möglichkeit zur Selektion, um das Risiko für die Mutter zu minimieren und den anderen Föten eine größere Chance einzuräumen. Wir entschieden uns sofort dagegen. In der nächsten Woche bei der Kontrolle, ich wurde mittlerweile wie ein rohes Ei behandelt, nahm das Schicksal erneut seinen Lauf. Die Natur selektierte automatisch. Das kleinere der beiden Zwillingspärchen (es waren zwei eineiige Zwillinge und eins im "Einzelzimmer") hatte aufgehört zu wachsen. Die Herzen hatten aufgehört zu schlagen. Das Gefühl können wir bis heute nicht in Worte in fassen. Irgendwas zwischen Erleichterung und Trauer. Irgendwann sehen wir auch euch wieder.
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